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Kurt Grimm Bildhauer
 
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Angelika Summa
   

Angelika Summa

Für den Bildhauer Kurt Grimm ist Form nicht von Inhalt zu trennen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Doch in einer Zeit, in der von „Belanglosigkeit“ (André Gide) in der Kunst gesprochen wird, ist es um so anregender, Künstlern zu begegnen, die ihr Werk aus einer Erfahrung heraus entwickeln, die sich durch langsames, diszipliniertes und geduldiges Vorgehen einer bestimmten Form bewußt werden, sie von allen Seiten her beleuchten, alle Ausdrucksmöglichkeiten überprüfen, ob diese mit einem inneren Sinnbild „wahrheitsgetreu“ übereinstimmen.

Auf dieser Basis zieht Kurt Grimm seine Kreise, seine Schleifen und Bänder. Seine Grundformen erinnern an Bausteine der Natur, die Drehmomente der metallenen Kraftbänder, die Bewegtheit der gefalteten Marmorflächen eher an technische Prozesse. Und eben auf dem weiten Feld der Auseinandersetzung zwischen Natur und Technik sind die Arbeiten von Kurt Grimm, Naturliebhaber, aber auch technisch versiert, angesiedelt.

Seine Skulpturen sind nicht in sich geschlossen und auf sich bezogen, sondern nach außen gerichtet. Sie eröffnen ein Gebiet vielfältiger, gegenseitiger Beziehungen, was sie, trotz ihrer Größe, human verträglich macht. Zugleich sind sie bewegt; diese Bewegungen umkreisen einen Mittelpunkt und drängen in den Raum. Sie brauchen Raum, weil es lebendige Formen sind, meist mit einem „offenen Ende“ wie es der Bildhauer ausdrückt. Titel wie „Aufbruch“, „Bewegung“ „Welle“ oder „Faltung“ charakterisieren den Bereich der Veränderung. Nichts Statisches wird wichtig, sondern Entwicklungen und Abläufe. Im Spannungsverhältnis dazu steht das kühle Material, die glatte Oberfläche bei Stein oder Metall.

Grimms Vorgehensweise basiert zunächst auf der Destruktion. Eine Kreisform wird in einzelne Glieder zerteilt und neu zu einer Welle zusammengesetzt. Die Nahtstelle zwischen zwei Segmenten verdeutlicht das Drehmoment, welches eine Bewegungsrichtung auf die nächste überträgt - oder der Bildhauer überprüft mit steinernen Scheiben die Kraftübertragung in linearer Ausrichtung oder er experimentiert in Materialien, kombiniert z. B. Stein mit Metall oder mit Glas – Kurt Grimm, der als Berufsbildhauer sein Metier von der Pike auf gelernt hat, ist mit allen vertraut – „um einen Ausdruck zu steigern oder um neue Konzepte zu verwirklichen“.

Aber immer ist die Form bestimmend. Aus ihr ergibt sich das Material und auch deren Oberfläche. Der Bildhauer orientiert daran das handwerklich Notwendige, sei es die Struktur in Marmor oder Muschelkalk, im Bronze- oder Eisenguß oder die Schleifarbeit verschiedener Hölzer, deren Gesetzmäßigkeiten beachtet werden wollen.

Für die zwei Meter hohe, raumgreifende Skulptur für die Stadt Tauberbischofsheim aus gegossenem Eisen mit dem Titel „Aufbruch“ war eine wochenlange Vorarbeit in der Werkstatt vonnöten. Die zwei Tonnen schwere Arbeit markiert auch im Schaffen des Bildhauers etwas Neues: die ausgewogene Mischung aus Spannung und Gelöstheit, ein Kräftemuster mit positiver Grundstimmung.
 
Angelika Summa, Kunsthistorikerin M.A.

 

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